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Oberliga
1956: Ein Zehntel oben, drei Zehntel unten
Der Fußball-Westen
reibt sich verwundert die Augen: "Wer soll diese Duisburger
schlagen?". Die in großen Lettern gehaltene Aufmachung der
Sporttitelseiten spricht das aus, was, spätestens seit dem 1 :0-Sieg des
Duisburger SV beim Titelfavoriten Borussia Dortmund alle denken. Mit 14:0
Punkten weisen die Ruhrort-Mannen um Trainer Fred Harthaus und Stopper Willi
Koll eine schier unglaubliche Siegesserie auf. Bis zum 23. Spieltag führen sie
ununterbrochen die Tabelle an, verlieren nur drei von 22 Spielen. Danach folgt
der Einbruch. Dortmund
zieht vorbei und der SV sieht plötzlich die Endrunden - Felle davonschwimmen.
Zwei Minuten vor Saisonabschluss liegen die Duisburger vor eigenem Publikum mit
0:2 gegen Schalke 04 zurück, während der punktgleiche Tabellendritte 1.FC Köln
in Aachen ein 3:3 hält. Dann nach 88 Verzweiflungsminuten, nimmt sich
Verteidiger Josten den Ball und zieht bei regnerischen Wetter aus 30 Metern ab.
Irgendwie kommt Koll noch an den Ball und mit starkem Effet landet der Ball
dort, wovon die Ruhrstadt - Fans die gesamte Spielzeit eher verhalten zu träumen
gewagt hatten: 2:2, der große Unbekannte Duisburger SV mit einem 1/10 - Torvorsprung(!) in den Gruppenspielen zur Deutschen Meisterschaft! Trainer
Harthaus, der später zum "Herberger Duisburgs" ernannt wird, sollte
Recht behalten, hatte er doch lange vor dem letzten Spieltag in seiner
unnachahmlichen Art die Entscheidung vorausgesächselt: "Also, die Borussen
und mir oder mir und die Borussen. Den Zuschauern in Aachen entgeht die
Gemeinschaftsarbeit Josten/Koll übrigens. Der Stadionsprecher verkündet irrtümlich
einen Schalker Sieg und - auch das ist bemerkenswert - ein grenzenloser
Aachener( ! ) Jubel erreicht Heimsieg-Phonstärke. Am Tivoli feiert man die
vermeintlich erfolgreichen Kölner.
Verbrüderung auf Platz und Rängen. Wann hat es das im rheinischen
Konkurrenzklima je gegeben? Neue Zeiten auch in Dortmund. Zwar hat man mit
altbekannter Vorjahresaufstellung nicht nur die Westmeisterschaft, sondern in
grandioser Manier auch das Endspiel um die Victoria gegen den Hamburger SV (4:1)
gewonnen, aber ein zukünftiges Großereignis wirft am Borsigplatz immer größer
werdende Schatten voraus. Die Borussia freut sich zum zweiten Male auf den
Europacup der Landesmeister, nachdem man 1956 im Achtelfinale Manchester United
mit 2:3 und 0:0 unterlegen war. Dass in dieser Phase ausgerechnet Meistermacher
Helmut Schneider mit seinem Lieblingsstürmer Kapitulski die Bierstadt in
Richtung Pirmasens verlässt, trübt das grenzenlose Selbstbewusstsein beim BVB
keineswegs. Von Preißler und Kelbassa, als Torjäger inzwischen schwarz-gelbe
"Ehrenbürger von Barsinghausen", wird der neue Trainer Hans Tauchert
gleich an die Kette gelegt: "Er darf uns nicht mit neuen Methoden kommen.
Erhält uns Tauchert nur die Kondition, dann kommen wir miteinander aus.
Sonst... ." Keine Saison ohne "Fall". Wegen verbotener
Schwarzzahlungen an sämtliche
Spieler wird der SV Sodingen im Dezember ' 56 zu acht Punkten Abzug
verdonnert. Monatelang kämpft die Elf von der Zeche ,Mont Cenis' vielbewundert
gegen den sicheren Abstieg. Doch erst ein Gnadengesuch erhält ihnen schließlich
die Klasse. Das neue Urteil im April lautet auf "minus sechs Zähler", führt
auch im Abstiegskampf die Prozentrechnung ein und lässt Schwarz-Weiß Essen mit
einem um drei Zehntel schlechteren Torverhältnis in den Abgrund schauen.
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Tabelle
| 1 |
BORUSSIA
DORTMUND |
73:33
|
41-19 |
| 2 |
DUISBURGER
SV |
56:39
|
39-21 |
| 3 |
1
FC KÖLN |
67:50
|
39-21 |
| 4 |
FC
SCHALKE 04 |
76:49
|
36-24 |
| 5 |
ALEMANNIA
AACHEN |
65:54
|
34-26 |
| 6 |
FORTUNA
DÜSSELDORF |
65:53 |
33-27 |
| 7 |
MEIDERICHER
SV |
62:42
|
32-28 |
| 8 |
ROT
WEISS ESSEN |
57:51
|
32-28 |
| 9 |
WUPPERTALER
SV |
41:52 |
30-30 |
|
|
| 10 |
VFL
BOCHUM |
54:54
|
29-31 |
| 11 |
WESTF
HERNE |
33:38
|
27-33 |
| 12 |
PREUSSEN
DELLBRÜCK |
46:62 |
25-35 |
| 13 |
PREUSSEN
MÜNSTER |
48:70 |
25-35 |
| 14 |
SV
SODINGEN |
41:44
|
22-38 |
| 15 |
SCHWARZ
WEISS ESSEN |
43:63 |
22-38 |
| 16 |
BOR
M GLADBACH |
39:112
|
10-50 |
|