Saison 1956-1957
Trainer: Edmond Conen, Walter Werner
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Oberliga 1956: Ein Zehntel oben, drei Zehntel unten


Der Fußball-Westen reibt sich verwundert die Augen: "Wer soll diese Duisburger schlagen?". Die in großen Lettern gehaltene Aufmachung der Sporttitelseiten spricht das aus, was, spätestens seit dem 1 :0-Sieg des Duisburger SV beim Titelfavoriten Borussia Dortmund alle denken. Mit 14:0 Punkten weisen die Ruhrort-Mannen um Trainer Fred Harthaus und Stopper Willi Koll eine schier unglaubliche Siegesserie auf. Bis zum 23. Spieltag führen sie ununterbrochen die Tabelle an, verlieren nur drei von 22 Spielen. Danach folgt der Einbruch.  Dortmund zieht vorbei und der SV sieht plötzlich die Endrunden - Felle davonschwimmen. Zwei Minuten vor Saisonabschluss liegen die Duisburger vor eigenem Publikum mit 0:2 gegen Schalke 04 zurück, während der punktgleiche Tabellendritte 1.FC Köln in Aachen ein 3:3 hält. Dann nach 88 Verzweiflungsminuten, nimmt sich Verteidiger Josten den Ball und zieht bei regnerischen Wetter aus 30 Metern ab. Irgendwie kommt Koll noch an den Ball und mit starkem Effet landet der Ball dort, wovon die Ruhrstadt - Fans die gesamte Spielzeit eher verhalten zu träumen gewagt hatten: 2:2, der große Unbekannte Duisburger SV mit einem 1/10 - Torvorsprung(!) in den Gruppenspielen zur Deutschen Meisterschaft! Trainer Harthaus, der später zum "Herberger Duisburgs" ernannt wird, sollte Recht behalten, hatte er doch lange vor dem letzten Spieltag in seiner unnachahmlichen Art die Entscheidung vorausgesächselt: "Also, die Borussen und mir oder mir und die Borussen. Den Zuschauern in Aachen entgeht die Gemeinschaftsarbeit Josten/Koll übrigens. Der Stadionsprecher verkündet irrtümlich einen Schalker Sieg und - auch das ist bemerkenswert - ein grenzenloser Aachener( ! ) Jubel erreicht Heimsieg-Phonstärke. Am Tivoli feiert man die vermeintlich erfolgreichen Kölner.  Verbrüderung auf Platz und Rängen. Wann hat es das im rheinischen Konkurrenzklima je gegeben? Neue Zeiten auch in Dortmund. Zwar hat man mit altbekannter Vorjahresaufstellung nicht nur die Westmeisterschaft, sondern in grandioser Manier auch das Endspiel um die Victoria gegen den Hamburger SV (4:1) gewonnen, aber ein zukünftiges Großereignis wirft am Borsigplatz immer größer werdende Schatten voraus. Die Borussia freut sich zum zweiten Male auf den Europacup der Landesmeister, nachdem man 1956 im Achtelfinale Manchester United mit 2:3 und 0:0 unterlegen war. Dass in dieser Phase ausgerechnet Meistermacher Helmut Schneider mit seinem Lieblingsstürmer Kapitulski die Bierstadt in Richtung Pirmasens verlässt, trübt das grenzenlose Selbstbewusstsein beim BVB keineswegs. Von Preißler und Kelbassa, als Torjäger inzwischen schwarz-gelbe "Ehrenbürger von Barsinghausen", wird der neue Trainer Hans Tauchert gleich an die Kette gelegt: "Er darf uns nicht mit neuen Methoden kommen.
Erhält uns Tauchert nur die Kondition, dann kommen wir miteinander aus. Sonst... ." Keine Saison ohne "Fall". Wegen verbotener Schwarzzahlungen an sämtliche  Spieler wird der SV Sodingen im Dezember ' 56 zu acht Punkten Abzug verdonnert. Monatelang kämpft die Elf von der Zeche ,Mont Cenis' vielbewundert gegen den sicheren Abstieg. Doch erst ein Gnadengesuch erhält ihnen schließlich die Klasse. Das neue Urteil im April lautet auf "minus sechs Zähler", führt auch im Abstiegskampf die Prozentrechnung ein und lässt Schwarz-Weiß Essen mit einem um drei Zehntel schlechteren Torverhältnis in den Abgrund schauen.




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