Saison 1957-1958
Trainer: Jupp Schmidt
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 Der Abstieg 

Drei Jahre hatte der WSV in der Oberliga mitgespielt. Drei Jahre, in denen die Anhänger große Gegner und große Spiele erleben durften. Dann kam der Abstieg, vielleicht nicht unerwartet zumindest aber sehr unglücklich. Denn dieser Abstieg hätte nicht nur wegen der damals doch recht guten Besetzung nicht kommen müssen. Hamborn 07 stand als erster Absteiger praktisch fest.  Im Kampf um den Klassenerhalt standen sich der VFL Bochum und der WSV gegenüber. Und die Wuppertaler hatten die bessere Ausgangsbasis. Der Abstieg begann praktisch mit dem 1:1 der Wuppertaler bei den Bochumern. Dieses Spiel hätte ein Sieg sein müssen , Kraftczyk aber verschoss seinen Elfmeter. Und dieser eine Punkt, den die Bochumer im Abstiegskampf gegen den WSV entführten, rettete auch ihren Klassenerhalt, vertrieb die Wuppertaler aus der Oberliga. Denn während die WSV-Elf im weiteren Abstiegskampf noch drei wichtige Schlüsselspiele verlor, legten die Bochumer eine Siegesserie auf dem grünen Rasen hin, um am Ende mit 24:36 Punkten und 39:62 Toren den WSV mit 23:37 Punkten und 46:60 Toren auf den vorletzten Platz zu verweisen, den Platz, der ABSTIEG bedeutete.
Schlüsselspiel Nr. 1: WSV gegen den SV Sodingen, damals trainiert von Coach "Zapf" Gebhard. 0:3 unterlagen die Wuppertaler. In diesem so wichtigen Match gegen den Abstieg fehlte übrigens Horst Szymaniak. Aber er allein hätte die Niederlage auch nicht abwenden können. Der SV Sodingen hatte leichtes Spiel gegen eine taktisch völlig falsch eingestellte Wuppertaler Mannschaft.
Schlüsselspiel Nr 2: Gegen den damaligen Tabellenführer Schalke 04 verloren die Blau-Roten auf eigenen Platz 1:2. Bei diesem vom Fernsehen "live" übertragenen Spiel wurden den Wuppertalern zwei mögliche Elfmeter verwehrt. Der Schalker Borutta foulte Horst Szymaniak und Orzessek legte Uli Kohn im Strafraum um. In beiden Fällen hatte der unparteiische Schiedsrichter beide Augen fest verschlossen.  So blieb es für den WSV bei einer schwer-wiegenden Niederlage.
Schlüsselspiel Nr. 3 war gleichzeitig die letzte Begegnung dieser Meisterrunde. Und ausgerechnet gegen den 1. FC Köln musste der WSV antreten. Die Kölner brauchten aus dieser Begegnung noch einen Punkt, um sich die Teilnahme an der Deutschen Endrunde zu sichern. Denn Schalke war unangefochtener Tabellenführer - die Kölner hatten sich noch der Aachener Alemannen zu erwehren. 40000 Zuschauer warteten im Müngersdorfer Stadion auf zwei Mannschaften, denen ein Sieg alles bedeutete und alles abverlangt werden sollte. Die 40000 wurden enttäuscht. Zumindest was den WSV betraf. Es hatte den Anschein , als kämpfe hier eine Wuppertaler Elf im sicheren Wissen um einen nicht gefährdeten Tabellenplatz im Mittelfeld. Das diese Elf im Existenzkampf um den Erhalt des Oberhaussitzes stand, man merkte es ihr nicht an. 2:0 unterlag die Wuppertaler an diesem 13 April. Der Schiedsrichter hatte die Kölner bei ihrem Sieg nicht unwesentlich unterstützt, er habe als 12. Kölner auf den Feld gestanden, schimpften die WSV-Anhänger.  Den Kölnern hatte der Unparteiische einen umstrittenen Elfmeter zugesprochen und den Wuppertaler quasi als Gegenleistung einen Mann genommen: Rote Karte für den Österreicher Probst. Das 2:0 bedeutete für die Kölner Teilnahme an der Endrunde zur Deutschen Meisterschaft - für den WSV das Ende einer dreijährigen Episode, der Zugehörigkeit zur höchsten deutschen Fußballklasse.

Die Suche nach den Gründen :

Oft wurde nach den Abstieg die Frage aufgeworfen, warum diese Mannschaft mit all ihrer Erfahrung und den eindrucksvollen Spielerpersönlichkeiten hat absteigen müssen. Denn die Elf, die den Abstieg schaffte:  Wilhelm, Kolkenbrock, Hosung, Lossack, Tack, Szymaniak, Rettig, Kirchstein, Probst, Kiefer, Haase, hatte ganz oben mitgemischt. In der offiziellen Version wurden zwei Ursachen für diese Misere angegeben: Verletzungen und - man höre und staune - es gab keine mannschaftliche Geschlossenheit. Günter Tack hatte in der letzten Oberligarunde des WSV sechs Spiele aussetzen müssen, Hard Lossak war acht Spiele verletzt. Sonny Haase konnte wegen seiner Muskelverletzung in neun Spielen nicht eingesetzt werden, aufgrund einer Knöchelverletzung fehlte Axel Kiefer in zehn Spielen. Theo Kolkenbrock und Jochen Meurer waren in je zwölf Spielen nicht einsatzfähig, desgleichen Heinz Kirchstein, 13 mal pausierte Coppi Beck, Günter Piesker fehlte 18 mal und musste schließlich zum Sportinvaliden erklärt werden. Horst Szymaniak fehlte beim wichtigsten Spiel im Kampf gegen den Abstieg gegen den SV Sodingen und Jochen Menze war bereits nach dem ersten Spiel dieser Runde ausgefallen, so dass die gesamte Abwehr des WSV hatte umgebaut werden müssen. Eine Bilanz der Verletzungen und ihr negatives Saldo lässt den Abstieg in einem etwas milderen Licht erscheinen. Dennoch, etwas mehr Einsatz , ein wenig mehr VERSTÄNDNIS, etwas weniger Ich und etwas mehr WIR (Tugenden die dem/der Wuppertaler/in bis ins Jahr 1997 völlig verborgen geblieben sind - siehe Zuschauerschnitt) und dem WSV wäre das unrühmliche Ende erspart geblieben. Aber wie das so ist bei diesem Kampf, der die Massen Wochenende für Wochenende in seinen Bann zieht, und der aus der sicheren Distanz des nicht ganz Beteiligten sehr viel- wenn auch nicht das Blut floss - mit den Gladiatorenkämpfen in Rom gemein hat.

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Die Saison:  

Die Straßenbahnliga zwischen Menschenlawine und Rekordmeisterschaft

Die Saison beginnt mit einem Eklat, der zwar im Südwesten der Republik spielt, aber auch an Rhein und Ruhr für gespitzte Ohren sorgt: ausgerechnet der "heilige" Fritz Walter soll für drei Monate gesperrt werden, weil ein 45.000-Mark-Darlehen des 1.FC Kaiserslautern für Fritzens Kinoneubau angeblich gegen das DFB-Vertragsspielerstatut verstoßen hat.  Unter nationalem Kopfschütteln kommt es tatsächlich zu einer Verhandlung, die ihren Clou nicht lange verbirgt: der DFB selbst hatte für sein spielendes Aushängeschild eine Unterstützung von 90.000 Mark empfohlen! Das Walter den Gerichtssaal mit einem Freispruch verlässt, braucht nicht lange erklärt zu werden, die Episode aber bleibt ein Zeichen für den auch im Westen schon lange unhaltbaren Zwitterzustand der immer professioneller werdenden "320-Mark"-Kicker und die misstrauisch-konfuse Vertragsspieler-Politik" der Funktionäre. Zurück  in den Westen geht's mit Kilometerzähler. Eine Statistik errechnet die saisonalen Reisewege aller deutschen Oberligateams. Während Hessen Kassel dabei mit 12.660 Kilometern zum unbestrittenen Globetrotter gekrönt wird und sowohl für die Nordlichter als auch für die "Südstaatler" der Zähler nicht unter 5.000 rutscht, sitzt Rot-Weiß Essen als Statistik-Letzter seine 1.300 "Meilensteine" auf einer Backe ab. Überhaupt ist kein Westverein unter den ersten 26 Dauerfahrten-Clubs zu finden. Die Oberliga West als Straßenbahnliga! Trotz der kurzweiligen Gastspielreisen aber muss sich ausgerechnet der Kicker - Westen geduldig zeigen: bereits 560 Minuten ist die Saison alt, als das erste Oberliga-Tor gegen Alemannia Aachen fällt. In der 20. Minute des siebten Spiels stolpert Aachens unheimlicher Nimbus über den Mittelstürmer des Duisburger SV, Benning. Alemannia Torhüter Schiffer: "Wir haben uns geistig auf das erste Gegentor eingestellt. Darauf, dass uns diese Tatsache nicht aus der Fassung bringen würde." Das frühe Beispiel für die Bedeutung mentalen Trainings nutzt, Aachen gewinnt die Partie in Duisburg mit 2: 1 und setzt seine Siegesserie bis Mitte Oktober fort: 18:0 Punkte, 20:2 Tore!  Erst am 23. Kickersonntag, also exakt jenem Spieltag, an dem im Vorjahr auch den Ausreißern vom Duisburger SV die Luft ausgegangen war, hat die Liga ihre Alemannia wieder. 0:4 Punkte, darunter ein 0:4 beim gleichnamigen Verfolger Schalke und schließlich auch noch die Tragik des knapp verpassten zweiten Platzes durch das böse 0:2 gegen die Kölner Geißböcke. An jenem 3. April 1958 aber fällt nicht nur die Alemannia aus allen Endrunden-Wolken: 36.000 Zuschauer, die dicht gedrängt erwartungsvoll den Tivoli bevölkern, erleben eine der ersten Zuschauer-Katastrophen, als Mitte der zweiten Halbzeit eine Menschenlawine die eiserne Umzäunung hinter dem Kölner Tor glatt überrollt. In eine ganz andere historische Rubrik fällt die diesjährige Deutsche Meisterschaft der Schalker. Mit ihnen sitzt nicht nur schon zum vierten Mal hintereinander ein westdeutscher Verein auf dem nationalen Kickerthron, der souveräne 3:0-Endspielsieg über den Hamburger SV (ein überragender Bernie Klodt lässt in Hannover für 90 Minuten sogar die 'Götter' Kuzorra und Szepan vergessen, wer wird je seinen unhaltbaren Kopfballtorpedo aus der 5. Minute vergessen!) bringt den Schalkern den insgesamt siebten Titel und damit die allerdings mit dem 1.FC Nürnberg geteilte Rekordmeisterschaft.

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Tabelle Oberliga West

1 1 FC SCHALKE 04 74:36 41-19
2 1 FC KÖLN 74:45 40-20
3 ALEMANNIA AACHEN 47:38 37-23
4 MEIDERICHER SV 56:37 36-24
5 BORUSSIA DORTMUND 67:44 35-25
6 PREUSSEN MÜNSTER 48:55 30-30
7 ROT WEISS ESSEN 40:42 30-30
8 FORTUNA DÜSSELDORF 57:58 29-31
9 VIKTORIA KÖLN 57:58 29-31
10 DUISBURGER SV 41:48 29-31
11 ROT WEISS OBERHAUSEN 45:56 28-32
12 WESTF HERNE 41:54 27-33
13 SV SODINGEN 44:55 24-36
14 VFL BOCHUM 39:62 24-36
15 WUPPERTALER SV 46:50 23-37    
16 HAMBORN 07 29:67 18-42

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