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Der Abstieg
Die Saison
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Der
Abstieg
Drei Jahre hatte der WSV in der
Oberliga mitgespielt. Drei Jahre, in denen die Anhänger große Gegner und große
Spiele erleben durften. Dann kam der Abstieg, vielleicht nicht unerwartet
zumindest aber sehr unglücklich. Denn dieser Abstieg hätte nicht nur wegen der
damals doch recht guten Besetzung nicht kommen müssen. Hamborn 07 stand als
erster Absteiger praktisch fest.
Im Kampf um den Klassenerhalt standen sich der VFL Bochum und der WSV
gegenüber. Und die Wuppertaler hatten die bessere Ausgangsbasis. Der Abstieg
begann praktisch mit dem 1:1 der Wuppertaler bei den Bochumern. Dieses Spiel hätte
ein Sieg sein müssen , Kraftczyk aber verschoss seinen Elfmeter. Und dieser
eine Punkt, den die Bochumer im Abstiegskampf gegen den WSV entführten, rettete
auch ihren Klassenerhalt, vertrieb die Wuppertaler aus der Oberliga. Denn während
die WSV-Elf im weiteren Abstiegskampf noch drei wichtige Schlüsselspiele
verlor, legten die Bochumer eine Siegesserie auf dem grünen Rasen hin, um am
Ende mit 24:36 Punkten und 39:62 Toren den WSV mit 23:37 Punkten und 46:60 Toren
auf den vorletzten Platz zu verweisen, den Platz, der ABSTIEG bedeutete.
Schlüsselspiel Nr. 1: WSV gegen den SV Sodingen, damals trainiert von Coach
"Zapf" Gebhard. 0:3 unterlagen die Wuppertaler. In diesem so wichtigen
Match gegen den Abstieg fehlte übrigens Horst Szymaniak. Aber er allein hätte
die Niederlage auch nicht abwenden können. Der SV Sodingen hatte leichtes Spiel
gegen eine taktisch völlig falsch eingestellte Wuppertaler Mannschaft.
Schlüsselspiel Nr 2: Gegen den damaligen Tabellenführer Schalke 04 verloren
die Blau-Roten auf eigenen Platz 1:2. Bei diesem vom Fernsehen "live"
übertragenen Spiel wurden den Wuppertalern zwei mögliche Elfmeter verwehrt.
Der Schalker Borutta foulte Horst Szymaniak und Orzessek legte Uli Kohn im
Strafraum um. In beiden Fällen hatte der unparteiische Schiedsrichter beide
Augen fest verschlossen.
So blieb es für den WSV bei einer schwer-wiegenden Niederlage.
Schlüsselspiel Nr. 3 war gleichzeitig die letzte Begegnung dieser Meisterrunde.
Und ausgerechnet gegen den 1. FC Köln musste der WSV antreten. Die Kölner
brauchten aus dieser Begegnung noch einen Punkt, um sich die Teilnahme an der
Deutschen Endrunde zu sichern. Denn Schalke war unangefochtener Tabellenführer
- die Kölner hatten sich noch der Aachener Alemannen zu erwehren. 40000
Zuschauer warteten im Müngersdorfer Stadion auf zwei Mannschaften, denen ein
Sieg alles bedeutete und alles abverlangt werden sollte. Die 40000 wurden enttäuscht.
Zumindest was den WSV betraf. Es hatte den Anschein , als kämpfe hier eine
Wuppertaler Elf im sicheren Wissen um einen nicht gefährdeten Tabellenplatz im
Mittelfeld. Das diese Elf im Existenzkampf um den Erhalt des Oberhaussitzes
stand, man merkte es ihr nicht an. 2:0 unterlag die Wuppertaler an diesem 13
April. Der Schiedsrichter hatte die Kölner bei ihrem Sieg nicht unwesentlich
unterstützt, er habe als 12. Kölner auf den Feld gestanden, schimpften die
WSV-Anhänger.
Den Kölnern hatte der Unparteiische einen umstrittenen Elfmeter
zugesprochen und den Wuppertaler quasi als Gegenleistung einen Mann genommen:
Rote Karte für den Österreicher Probst. Das 2:0 bedeutete für die Kölner
Teilnahme an der Endrunde zur Deutschen Meisterschaft - für den WSV das Ende
einer dreijährigen Episode, der Zugehörigkeit zur höchsten deutschen Fußballklasse.
Die Suche
nach den Gründen :
Oft
wurde nach den Abstieg die Frage aufgeworfen, warum diese Mannschaft mit all
ihrer Erfahrung und den eindrucksvollen Spielerpersönlichkeiten hat absteigen müssen.
Denn die Elf, die den Abstieg schaffte:
Wilhelm, Kolkenbrock, Hosung, Lossack, Tack, Szymaniak, Rettig,
Kirchstein, Probst, Kiefer, Haase, hatte ganz oben mitgemischt. In der
offiziellen Version wurden zwei Ursachen für diese Misere angegeben:
Verletzungen und - man höre und staune - es gab keine mannschaftliche
Geschlossenheit. Günter Tack hatte in der letzten Oberligarunde des WSV sechs
Spiele aussetzen müssen, Hard Lossak war acht Spiele verletzt. Sonny Haase
konnte wegen seiner Muskelverletzung in neun Spielen nicht eingesetzt werden,
aufgrund einer Knöchelverletzung fehlte Axel Kiefer in zehn Spielen. Theo Kolkenbrock und Jochen Meurer waren in je zwölf Spielen nicht
einsatzfähig, desgleichen Heinz Kirchstein, 13 mal pausierte Coppi Beck, Günter
Piesker fehlte 18 mal und musste schließlich zum Sportinvaliden erklärt
werden. Horst
Szymaniak fehlte beim wichtigsten Spiel im Kampf gegen den Abstieg gegen den SV
Sodingen und Jochen Menze war bereits nach dem ersten Spiel dieser Runde
ausgefallen, so dass die gesamte Abwehr des WSV hatte umgebaut werden müssen.
Eine Bilanz der Verletzungen und ihr negatives Saldo lässt den Abstieg in einem
etwas milderen Licht erscheinen. Dennoch, etwas mehr Einsatz , ein wenig mehr
VERSTÄNDNIS, etwas weniger Ich und etwas mehr WIR (Tugenden die dem/der
Wuppertaler/in bis ins Jahr 1997 völlig verborgen geblieben sind - siehe
Zuschauerschnitt) und dem WSV wäre das unrühmliche Ende erspart geblieben.
Aber wie das so ist bei diesem Kampf, der die Massen Wochenende für Wochenende
in seinen Bann zieht, und der aus der sicheren Distanz des nicht ganz
Beteiligten sehr viel- wenn auch nicht das Blut floss - mit
den Gladiatorenkämpfen in Rom gemein hat.
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Die Saison:
Die
Straßenbahnliga zwischen Menschenlawine und Rekordmeisterschaft
Die
Saison beginnt mit einem Eklat, der zwar im Südwesten der
Republik spielt, aber auch an Rhein und Ruhr für gespitzte
Ohren sorgt: ausgerechnet der "heilige" Fritz Walter
soll für drei Monate gesperrt werden, weil ein
45.000-Mark-Darlehen des 1.FC Kaiserslautern für Fritzens
Kinoneubau angeblich gegen das DFB-Vertragsspielerstatut verstoßen
hat.
Unter nationalem Kopfschütteln kommt es tatsächlich zu
einer Verhandlung, die ihren Clou nicht lange verbirgt: der DFB
selbst hatte für sein spielendes Aushängeschild eine Unterstützung
von 90.000 Mark empfohlen! Das Walter den Gerichtssaal mit einem
Freispruch verlässt, braucht nicht lange erklärt zu werden,
die Episode aber bleibt ein Zeichen für den auch im Westen
schon lange unhaltbaren Zwitterzustand der immer professioneller
werdenden "320-Mark"-Kicker und die misstrauisch-konfuse
Vertragsspieler-Politik" der Funktionäre. Zurück
in den Westen geht's mit Kilometerzähler. Eine Statistik
errechnet die saisonalen Reisewege aller deutschen
Oberligateams. Während Hessen Kassel dabei mit 12.660
Kilometern zum unbestrittenen Globetrotter gekrönt wird und
sowohl für die Nordlichter als auch für die "Südstaatler"
der Zähler nicht unter 5.000 rutscht, sitzt Rot-Weiß Essen als
Statistik-Letzter seine 1.300 "Meilensteine" auf einer
Backe ab. Überhaupt ist kein Westverein unter den ersten 26
Dauerfahrten-Clubs zu finden. Die Oberliga West als Straßenbahnliga!
Trotz der kurzweiligen Gastspielreisen aber muss sich
ausgerechnet der Kicker - Westen geduldig zeigen: bereits 560
Minuten ist die Saison alt, als das erste Oberliga-Tor gegen
Alemannia Aachen fällt. In der 20. Minute des siebten Spiels
stolpert Aachens unheimlicher Nimbus über den Mittelstürmer
des Duisburger SV, Benning. Alemannia Torhüter Schiffer:
"Wir haben uns geistig auf das erste Gegentor eingestellt.
Darauf, dass uns diese Tatsache nicht aus der Fassung bringen würde."
Das frühe Beispiel für die Bedeutung mentalen Trainings nutzt,
Aachen gewinnt die Partie in Duisburg mit 2: 1 und setzt seine
Siegesserie bis Mitte Oktober fort: 18:0 Punkte, 20:2 Tore!
Erst am 23. Kickersonntag, also exakt jenem Spieltag, an
dem im Vorjahr auch den Ausreißern vom Duisburger SV die Luft
ausgegangen war, hat die Liga ihre Alemannia wieder. 0:4 Punkte,
darunter ein 0:4 beim gleichnamigen Verfolger Schalke und schließlich
auch noch die Tragik des knapp verpassten zweiten Platzes durch
das böse 0:2 gegen die Kölner Geißböcke. An jenem 3. April
1958 aber fällt nicht nur die Alemannia aus allen
Endrunden-Wolken: 36.000 Zuschauer, die dicht gedrängt
erwartungsvoll den Tivoli bevölkern, erleben eine der ersten Zuschauer-Katastrophen, als Mitte der zweiten Halbzeit eine
Menschenlawine die eiserne Umzäunung hinter dem Kölner Tor
glatt überrollt. In eine ganz andere historische Rubrik fällt
die diesjährige Deutsche Meisterschaft der Schalker. Mit ihnen
sitzt nicht nur schon zum vierten Mal hintereinander ein
westdeutscher Verein auf dem nationalen Kickerthron, der souveräne
3:0-Endspielsieg über den Hamburger SV (ein überragender
Bernie Klodt lässt in Hannover für 90 Minuten sogar die 'Götter'
Kuzorra und Szepan vergessen, wer wird je seinen unhaltbaren
Kopfballtorpedo aus der 5. Minute vergessen!) bringt den
Schalkern den insgesamt siebten Titel und damit die allerdings
mit dem 1.FC Nürnberg geteilte Rekordmeisterschaft.
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Tabelle Oberliga West
| 1 |
1
FC SCHALKE 04 |
74:36
|
41-19 |
| 2 |
1
FC KÖLN |
74:45
|
40-20 |
| 3 |
ALEMANNIA
AACHEN |
47:38
|
37-23 |
| 4 |
MEIDERICHER
SV |
56:37
|
36-24 |
| 5 |
BORUSSIA
DORTMUND |
67:44
|
35-25 |
| 6 |
PREUSSEN
MÜNSTER |
48:55 |
30-30 |
| 7 |
ROT
WEISS ESSEN |
40:42
|
30-30 |
| 8 |
FORTUNA
DÜSSELDORF |
57:58 |
29-31 |
| 9
|
VIKTORIA
KÖLN |
57:58 |
29-31 |
| 10 |
DUISBURGER
SV |
41:48
|
29-31 |
| 11 |
ROT
WEISS OBERHAUSEN |
45:56 |
28-32 |
| 12 |
WESTF
HERNE |
41:54
|
27-33 |
| 13 |
SV
SODINGEN |
44:55
|
24-36 |
| 14 |
VFL
BOCHUM |
39:62
|
24-36 |
| 15 |
WUPPERTALER
SV |
46:50 |
23-37 |
|
|
| 16 |
HAMBORN
07 |
29:67
|
18-42 |
|