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Die Saison:
Regionalliga
1963: Klagemauern und Kopfschmerzen
Es kommt alles so, wie es nach
der hektischen Neueinteilung des deutschen Kickerwesens zu erwarten war: kaum
hat die Oberliga-Ära das zeitliche gesegnet, da kommen gerade aus den
Regionalligen die großen Klagen. Ihrer Meinung nach zu unrecht aus der
Bundesliga ausgeschlossen, hält mindestens die halbe Liga ihr Wochenendprogramm
für zu unattraktiv. Verantwortlich für Trainer- und Treter-Tränen sind die chaotischen Verhältnisse,
die der "Neuanfang Regionalliga" mit sich bringt. Zwischen Bundesliga
und Regionalliga klaffen die DFB Welten Lizenz- und Vertragsspieler. Was
erstere sich einzelne ins Portemonnaie stecken, muss bei letzteren erst durch
elf geteilt werden. Klar, dass die meisten Clubs mit großen Abwanderungswellen
in die Eliteliga zu kämpfen haben. An der Spitze der Exodus-Parade stehen
Schwarz-Weiß Essen und Bayer Leverkusen, auch der Wuppertaler SV und Hambom 07
müssen heftig Lücken füllen. In Duisburg wird schon im ersten Ligawinter über eine lokale Sensation
nachgedacht: Vertreter vom Duisburger SV und dem TuS Duisburg 48/99 sprechen
sich für eine Fusion aus, um gegen den alles beherrschenden MSV bestehen zu können. Gestern noch spinnefeind, morgen schon mit gemeinsamen Torjubel, die
Regionalliga macht' s möglich.
Eine Ausnahme inmitten von Not und Elend bilden die Gladbacher Borussen, die dem
Adieu erfahrener Strategen ein gutgelauntes Hallo auf die Zukunft
entgegensetzen. Kein Wunder, befinden sich doch in der Langner-Truppe - mit 22,8
Durchschnittsjahren die jüngste der Regionalliga West - mit Netzer, Laumen und
Höttges hoffnungsvolle Talente.
Natürlich wird auch Ligafußball gespielt. Und hier dominieren von Anfang an
die großen Favoriten. Nach einer guten Anfangsserie verliert der Wuppertaler SV
erst am 12. Spieltag das erste Spiel und die Tabellenführung. Während die
Mannen von Trainer "Zapf Gebhardt dem 0:1 beim VFB Bottrop nachtrauern,
setzen sich die Aachener Alemannen mit einem 2:1 Sieg gegen den Duisburger SV an
die Tabellenspitze und ziehen fortan als Top - Club einen souveränen
Durchmarsch (der Abstand zum Zweiten beträgt zwischenzeitlich sogar neun
Punkte) in Richtung Bundesliga - Aufstiegsrunde durch (wo man schließlich als
großer Favorit kläglich scheitert). Spannung kommt deshalb allein beim Kampf
um den Zweitplazierten, dem ebenfalls die Aufstiegsrunde winkt, auf. Der
allerdings hat es in sich. Wuppertal, das sich einen satten Winterschlaf gönnt
(über drei Monate gelingt kein Auswärtssieg), der TSV Marl- Hüls, der 36
Spieltage zu Hause unbesiegt bleibt , Fortuna Düsseldorf, die nach mäßigem
Start immer mehr aufkommt und die Weisweiler Viktoria aus Köln, die mit 20
Toren in drei Spielen rechtzeitig am Torverhältnis zu basteln scheint, machen
das Rennen unter sich aus. Beim Saisonfinale trennt Wuppertal und Düsseldorf
nur der (damals noch aktuelle) Torquotient: 1,8 zu 1,7. Im Klartext hieß das: Würden
die Zookicker ihr Abschlussmatch gegen den STV Horst mit 1:0 gewinnen (was sie
denn auch taten), müsste die Fortuna sich bei Westfalia Herne schon mit 7:0
behaupten. Zuviel
für die Nerven der Rheinstädter Fans: 79 Minuten schauten sie sich ein 1:1 an,
danach gab es kein Halten mehr. Ein Foul von Hernes Clement an Fortuna-Keeper Görtz
lieferte den Anlas für eine der größten Schlägereien der
Regionalliga-Geschichte und ließ die Saison enden wie sie begonnen hatte: mit
Kopfschmerzen.
WSV:
Die erste Regionalliga Spielzeit 1963
In den Spielen um den DFB-Pokal
hatte der WSV gegeben , was er nach seinen Möglichkeiten hatte geben können.
Was Wunder, wenn diese Mannschaft ausgelaugt von den vielen Spielen in den
Englischen Wochen jetzt im ersten Jahr ihrer Regionalliga Zugehörigkeit wieder
einmal gegen den Abstieg hätte kämpfen müssen. Man denke an Schwarz Weiß
Essen oder Borussia Mönchengladbach. Sie wurden Pokalsieger und stiegen dann
ab. Doch die Gebhard-Schützlinge belehrten ihre Anhänger eines Besseren. Die
Regionalliga-Saison begann mit einem Siegeszug, der aus den ersten fünf Spielen
10:0 Punkte brachte. Vor der Pokalniederlage gegen den HSV ein 2:1 gegen die Viktoria aus Köln,
drei Tage nach der Pokalschlacht ein 2:0 gegen die Hamborner Löwen in Duisburg.
Aufsteiger SV Lünen wurde mit einem 1:0 nach Hause geschickt, und 3:2 siegte
der WSV in Herten. Die Elf spielte fast ständig in der gleichen Besetzung und
schickte Duisburg 48/99 mit einem 4:2 Sieg aus dem Stadion am Zoo nach Hause. 10:0 Punkte und 12:5 Tore und der nächste Gegner hieß Rot Weiß Essen.
Vor 30000 Zuschauern an der Essener Hafenstraße sah es bald auch so aus als würde
der kräftezehrende Siegesmarsch der Wuppertaler endlich seinen Tribut fordern.
Die Platzherren führten schnell mit 2:0 und gedachten ihrem Trainer Fred
Harthausen ein schönes Geburtstagsgeschenk zu überreichen. Nach dem
Seitenwechsel kam jedoch eine völlig verwandelte Wuppertaler Elf aus der
Kabine. Nauheimer verkürzte auf 2:1 und kurz vor Abpfiff gelang Vitus Sauer der
Ausgleichstreffer. Und noch einmal Spannung als Werner Tönges bei einem Freistoß
nur die Latte traf. Immerhin hatte der WSV aus der gefürchteten Essener
Hafenstraße einen Punkt entführt. Und die Erfolgsserie riss nicht ab: 4:3 Sieg
gegen den Duisburger SV 3:0, Abfuhr für Herne und nochmals ein 3:0 gegen
Siegen. Pokalschreck WSV war auf dem Durchmarsch und führte mit 17:1 Punkten
die Tabelle der Regionalliga West an. Wer hätte das erwartet. Erst im zwölften
Spiel dieser Regional Meisterschaft unterlagen die Wuppertaler beim VFB Bottrop
mit 1:0. Doch dieser Niederlage folgte am Zoo bereits wieder ein Sieg, diesmal
gegen Schwarz Weiß Essen. In
einem rabenschwarzen Spiel für die Essener wurden sie durch Treffer von
Augustat mit einem 6:1 nach Hause geschickt. Nach dem hohen Sieg gegen Essen
folgte eine 2:0 Niederlage auf dem Aachener Tivoli. Nach Anschluss der Hinrunde
standen die Aachener mit 31:7 Punkten gefolgt vom Wuppertaler SV mit 28:10
Punkten auf dem ersten Tabellenplatz.
Die zweite Runde dieser Regionalliga Saison begann für den WSV mit einer Krise.
Geschlagen von RWE, Viktoria Köln und Duisburg 48/99 verdrängten den WSV von
der Tabellenspitze, während die Aachener Alemannia die Tabelle zeitweise mit
ZEHN Punkten Vorsprung anführte. Fortuna Düsseldorf hatte sich ebenfalls
weiter nach vorn geschoben und so musste der WSV langsam wieder den Anschluss suchen. Das gelang durch Siege gegen Bottrop und Leverkusen. Aber im Kampf um
den so begehrten zweiten Tabellenplatz -
der erste war bereits an Aachen vergeben, wollten neben dem WSV und Düsseldorf
auch Borussia Mönchengladbach Rot Weiß Oberhausen und der TSV Marl Hüls noch
ein Wörtchen mitreden. Eine Vorentscheidung bahnte sich an mit der Partie gegen
Mönchengladbach. Die Gladbacher genossen den Heimvorteil und wollten den
Wuppertalern zeigen wer Herr im Hause ist. Sie stürmten was das Zeug hielt. Die 14. Minute nutzten die Wuppertaler zu einem Konter, den Manni
Reichert nach einem Fehler von Orzessek zum 1:0 Führungstreffer nutzen konnte.
Wütend berannten Netzer und seine Leute jetzt das gegnerische Tor. Hier aber
leistete Dieter Auris, der ehemalige Handball-Nationaltorwart ganze Arbeit und
ließ nicht einen Ball ins Tor rollen. Mit diesem Sieg verbuchte der WSV zwei
wichtige Auswärtspunkte auf seinem Konto. Eine Woche später erwarteten die Wuppertaler einen weiteren
Mitkonkurrenten, die Fortuna aus Düsseldorf. Seit 15 Jahren konnte der WSV
keinen Sieg mehr gegen diese Mannschaft verbuchen. Beide Teams standen sich mit
jeweils 46:22 Punkten in der Tabelle als potentielle Aufstiegskandidaten gegenüber.
Ein Spiel also das zu einem Fußballfest genügend Voraussetzungen erfüllte. Um dem Besucheransturm Herr zu werden
musste eine Nottribüne errichtet
werden und so Pasten, zu diesem Schlagerspiel sage und schreibe Vierzigtausend
in Zahlen Vier Null Null Null Null Zuschauer ins Stadion am Zoo. Und die sahen einen WSV, der die Fortuna aus Düsseldorf vorführt. 4:0
siegte der WSV durch Tore von Werner Tönges, Manni Reichert und Arnich.
Kolkenbrock, Haase und Meisen waren die überragenden Spieler, die ihre Gegner blass
aussehen ließen. Der Sieg über Fortuna Düsseldorf hatte den Weg zur
Qualifikation für die Bundesliga-Aufstiegsrunde vorbereitet, geebnet werden musste
er jetzt zum Abschluss der Saison durch einen Sieg über Horst Emscher. Fortuna
Düsseldorf, punktgleich mit dem WSV, trat zur gleichen Zeit zum letzten Auswärtsspiel
in Herne an. Bis zur Halbzeit standen beide Begegnungen torlos unentschieden.
15000 Zuschauer sahen bereits alle Hoffnungen schwinden. Schließlich Gerangel
im Horster Strafraum . Eine Flanke senkt sich auf die Spieler vor dem Tor - eine
Faust schlägt den Ball weg. Unmissverständlich weist der Unparteiische auf den
Elfmeterpunkt. Denn wer anders als ein Spieler der verteidigenden Mannschaft
kann es sich einfallen lassen eine solche Notbremse zu ziehen? Die Horster
protestieren, keiner von ihnen will den Ball mit der Hand berührt haben. Da
meldet sich Werner Tönges, er habe im Eifer des Gefechts den Ball mit der Hand
berührt. Eine wahrhaft sportliche Geste in einem Moment, da es um mehr ging als
Sieg oder Niederlage. Es ging um den zweiten Tabellenplatz, um die Qualifikation
zur Aufstiegsrunde. Während es zwischen Fortuna und Herne bei dem Unentschieden
blieb, siegte der WSV doch noch mit einem 1:0 und stand damit in der
Qualifikation zur Aufstiegsrunde. Mit entsprechenden Vorschußlorbeeren wurden
die Wuppertaler in das Treffen gegen den FK Pirmasens geschickt und sie
verlieren das Heimspiel mit 0:2 und das Rückspiel mit 2:1. Und damit war der
Traum Erste Liga ausgeträumt und der triste Regionalliga-Alltag blieb dem
Wuppertaler Publikum erhalten.
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Tabelle
| 1 |
ALEMANIA
AACHEN |
105:37
|
59-17 |
| 2 |
WUPPERTALER
SV |
66:36 |
52-24 |
| 3 |
FORTUNA
DÜSSELDORF |
85:50 |
50-26 |
| 4 |
TSV
MARL HÜLS |
56:41
|
48-28 |
| 5 |
VIKTORIA
KÖLN |
77:53
|
45-31 |
| 6 |
WESTF
HERNE |
69:63
|
44-32 |
| 7 |
ROT
WEISS OBERHAUSEN |
68:58 |
42-34 |
| 8 |
BOR
M GLADBACH |
71:47
|
41-35 |
| 9 |
DUISBURGER
SV |
54:55
|
39-37 |
| 10 |
ROT
WEISS ESSEN |
70:64
|
38-38 |
| 11 |
ARMINIA
BIELEFELD |
65:74
|
38-38 |
| 12
|
BAYER
LEVERKUSEN |
62:62
|
35-41 |
| 13 |
SCHWARZ
WEISS ESSEN |
60:71 |
34-42 |
| 14 |
HAMBORN
07 |
49:71
|
34-42 |
| 15 |
HORST
EMSCHER |
56:75
|
31-45 |
| 16 |
SPVGG
HERTEN |
55:79
|
31-45 |
| 17 |
VFB
BOTTROP |
53:68
|
30-46 |
| 18
|
SPFR
SIEGEN |
69:85
|
29-47 |
| 19 |
DUISBURG
48/99 |
47:88
|
22-54 |
| 20 |
LÜNER
SV |
41:101
|
18-58 |
|