Saison 1963-1964
Trainer: Robert Gebhard  
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Die Saison:  

Regionalliga 1963: Klagemauern und Kopfschmerzen

Es kommt alles so, wie es nach der hektischen Neueinteilung des deutschen Kickerwesens zu erwarten war: kaum hat die Oberliga-Ära das zeitliche gesegnet, da kommen gerade aus den Regionalligen die großen Klagen. Ihrer Meinung nach zu unrecht aus der Bundesliga ausgeschlossen, hält mindestens die halbe Liga ihr Wochenendprogramm für zu unattraktiv.

Verantwortlich für Trainer- und Treter-Tränen sind die chaotischen Verhältnisse, die der "Neuanfang Regionalliga" mit sich bringt. Zwischen Bundesliga und Regionalliga klaffen die DFB Welten Lizenz- und Vertragsspieler. Was erstere sich einzelne ins Portemonnaie stecken, muss bei letzteren erst durch elf geteilt werden. Klar, dass die meisten Clubs mit großen Abwanderungswellen in die Eliteliga zu kämpfen haben. An der Spitze der Exodus-Parade stehen Schwarz-Weiß Essen und Bayer Leverkusen, auch der Wuppertaler SV und Hambom 07 müssen heftig Lücken füllen.

In Duisburg wird schon im ersten Ligawinter über eine lokale Sensation nachgedacht: Vertreter vom Duisburger SV und dem TuS Duisburg 48/99 sprechen sich für eine Fusion aus, um gegen den alles beherrschenden MSV bestehen zu können. Gestern noch spinnefeind, morgen schon mit gemeinsamen Torjubel, die Regionalliga macht' s möglich.
Eine Ausnahme inmitten von Not und Elend bilden die Gladbacher Borussen, die dem Adieu erfahrener Strategen ein gutgelauntes Hallo auf die Zukunft entgegensetzen. Kein Wunder, befinden sich doch in der Langner-Truppe - mit 22,8 Durchschnittsjahren die jüngste der Regionalliga West - mit Netzer, Laumen und Höttges hoffnungsvolle Talente.
Natürlich wird auch Ligafußball gespielt. Und hier dominieren von Anfang an die großen Favoriten. Nach einer guten Anfangsserie verliert der Wuppertaler SV erst am 12. Spieltag das erste Spiel und die Tabellenführung. Während die Mannen von Trainer "Zapf Gebhardt dem 0:1 beim VFB Bottrop nachtrauern, setzen sich die Aachener Alemannen mit einem 2:1 Sieg gegen den Duisburger SV an die Tabellenspitze und ziehen fortan als Top - Club einen souveränen Durchmarsch (der Abstand zum Zweiten beträgt zwischenzeitlich sogar neun Punkte) in Richtung Bundesliga - Aufstiegsrunde durch (wo man schließlich als großer Favorit kläglich scheitert). Spannung kommt deshalb allein beim Kampf um den Zweitplazierten, dem ebenfalls die Aufstiegsrunde winkt, auf. Der allerdings hat es in sich. Wuppertal, das sich einen satten Winterschlaf gönnt (über drei Monate gelingt kein Auswärtssieg), der TSV Marl- Hüls, der 36 Spieltage zu Hause unbesiegt bleibt , Fortuna Düsseldorf, die nach mäßigem Start immer mehr aufkommt und die Weisweiler Viktoria aus Köln, die mit 20 Toren in drei Spielen rechtzeitig am Torverhältnis zu basteln scheint, machen das Rennen unter sich aus. Beim Saisonfinale trennt Wuppertal und Düsseldorf nur der (damals noch aktuelle) Torquotient: 1,8 zu 1,7. Im Klartext hieß das: Würden die Zookicker ihr Abschlussmatch gegen den STV Horst mit 1:0 gewinnen (was sie denn auch taten), müsste die Fortuna sich bei Westfalia Herne schon mit 7:0 behaupten.

  Zuviel für die Nerven der Rheinstädter Fans: 79 Minuten schauten sie sich ein 1:1 an, danach gab es kein Halten mehr. Ein Foul von Hernes Clement an Fortuna-Keeper Görtz lieferte den Anlas für eine der größten Schlägereien der Regionalliga-Geschichte und ließ die Saison enden wie sie begonnen hatte: mit Kopfschmerzen.


WSV: Die erste Regionalliga Spielzeit 1963

In den Spielen um den DFB-Pokal hatte der WSV gegeben , was er nach seinen Möglichkeiten hatte geben können. Was Wunder, wenn diese Mannschaft ausgelaugt von den vielen Spielen in den Englischen Wochen jetzt im ersten Jahr ihrer Regionalliga Zugehörigkeit wieder einmal gegen den Abstieg hätte kämpfen müssen. Man denke an Schwarz Weiß Essen oder Borussia Mönchengladbach. Sie wurden Pokalsieger und stiegen dann ab. Doch die Gebhard-Schützlinge belehrten ihre Anhänger eines Besseren. Die Regionalliga-Saison begann mit einem Siegeszug, der aus den ersten fünf Spielen 10:0 Punkte brachte.

Vor der Pokalniederlage gegen den HSV ein 2:1 gegen die Viktoria aus Köln, drei Tage nach der Pokalschlacht ein 2:0 gegen die Hamborner Löwen in Duisburg. Aufsteiger SV Lünen wurde mit einem 1:0 nach Hause geschickt, und 3:2 siegte der WSV in Herten. Die Elf spielte fast ständig in der gleichen Besetzung und schickte Duisburg 48/99 mit einem 4:2 Sieg aus dem Stadion am Zoo nach Hause.

10:0 Punkte und 12:5 Tore und der nächste Gegner hieß Rot Weiß Essen. Vor 30000 Zuschauern an der Essener Hafenstraße sah es bald auch so aus als würde der kräftezehrende Siegesmarsch der Wuppertaler endlich seinen Tribut fordern. Die Platzherren führten schnell mit 2:0 und gedachten ihrem Trainer Fred Harthausen ein schönes Geburtstagsgeschenk zu überreichen. Nach dem Seitenwechsel kam jedoch eine völlig verwandelte Wuppertaler Elf aus der Kabine. Nauheimer verkürzte auf 2:1 und kurz vor Abpfiff gelang Vitus Sauer der Ausgleichstreffer. Und noch einmal Spannung als Werner Tönges bei einem Freistoß nur die Latte traf. Immerhin hatte der WSV aus der gefürchteten Essener Hafenstraße einen Punkt entführt. Und die Erfolgsserie riss nicht ab: 4:3 Sieg gegen den Duisburger SV 3:0, Abfuhr für Herne und nochmals ein 3:0 gegen Siegen. Pokalschreck WSV war auf dem Durchmarsch und führte mit 17:1 Punkten die Tabelle der Regionalliga West an. Wer hätte das erwartet. Erst im zwölften Spiel dieser Regional Meisterschaft unterlagen die Wuppertaler beim VFB Bottrop mit 1:0. Doch dieser Niederlage folgte am Zoo bereits wieder ein Sieg, diesmal gegen Schwarz Weiß Essen.

 In einem rabenschwarzen Spiel für die Essener wurden sie durch Treffer von Augustat mit einem 6:1 nach Hause geschickt. Nach dem hohen Sieg gegen Essen folgte eine 2:0 Niederlage auf dem Aachener Tivoli. Nach Anschluss der Hinrunde standen die Aachener mit 31:7 Punkten gefolgt vom Wuppertaler SV mit 28:10 Punkten auf dem ersten Tabellenplatz.
Die zweite Runde dieser Regionalliga Saison begann für den WSV mit einer Krise. Geschlagen von RWE, Viktoria Köln und Duisburg 48/99 verdrängten den WSV von der Tabellenspitze, während die Aachener Alemannia die Tabelle zeitweise mit ZEHN Punkten Vorsprung anführte. Fortuna Düsseldorf hatte sich ebenfalls weiter nach vorn geschoben und so musste der WSV langsam wieder den Anschluss suchen. Das gelang durch Siege gegen Bottrop und Leverkusen. Aber im Kampf um den so begehrten zweiten Tabellenplatz   - der erste war bereits an Aachen vergeben, wollten neben dem WSV und Düsseldorf auch Borussia Mönchengladbach Rot Weiß Oberhausen und der TSV Marl Hüls noch ein Wörtchen mitreden. Eine Vorentscheidung bahnte sich an mit der Partie gegen Mönchengladbach. Die Gladbacher genossen den Heimvorteil und wollten den Wuppertalern zeigen wer Herr im Hause ist. Sie stürmten was das Zeug hielt.

Die 14. Minute nutzten die Wuppertaler zu einem Konter, den Manni Reichert nach einem Fehler von Orzessek zum 1:0 Führungstreffer nutzen konnte. Wütend berannten Netzer und seine Leute jetzt das gegnerische Tor. Hier aber leistete Dieter Auris, der ehemalige Handball-Nationaltorwart ganze Arbeit und ließ nicht einen Ball ins Tor rollen. Mit diesem Sieg verbuchte der WSV zwei wichtige Auswärtspunkte auf seinem Konto.

Eine Woche später erwarteten die Wuppertaler einen weiteren Mitkonkurrenten, die Fortuna aus Düsseldorf. Seit 15 Jahren konnte der WSV keinen Sieg mehr gegen diese Mannschaft verbuchen. Beide Teams standen sich mit jeweils 46:22 Punkten in der Tabelle als potentielle Aufstiegskandidaten gegenüber. Ein Spiel also das zu einem Fußballfest genügend Voraussetzungen erfüllte.
Um dem Besucheransturm Herr zu werden musste eine Nottribüne errichtet werden und so Pasten, zu diesem Schlagerspiel sage und schreibe Vierzigtausend in Zahlen Vier Null Null Null Null Zuschauer ins Stadion am Zoo. Und die sahen einen WSV, der die Fortuna aus Düsseldorf vorführt. 4:0 siegte der WSV durch Tore von Werner Tönges, Manni Reichert und Arnich. Kolkenbrock, Haase und Meisen waren die überragenden Spieler, die ihre Gegner blass aussehen ließen. Der Sieg über Fortuna Düsseldorf hatte den Weg zur Qualifikation für die Bundesliga-Aufstiegsrunde vorbereitet, geebnet werden musste er jetzt zum Abschluss der Saison durch einen Sieg über Horst Emscher. Fortuna Düsseldorf, punktgleich mit dem WSV, trat zur gleichen Zeit zum letzten Auswärtsspiel in Herne an. Bis zur Halbzeit standen beide Begegnungen torlos unentschieden. 15000 Zuschauer sahen bereits alle Hoffnungen schwinden. Schließlich Gerangel im Horster Strafraum . Eine Flanke senkt sich auf die Spieler vor dem Tor - eine Faust schlägt den Ball weg. Unmissverständlich weist der Unparteiische auf den Elfmeterpunkt. Denn wer anders als ein Spieler der verteidigenden Mannschaft kann es sich einfallen lassen eine solche Notbremse zu ziehen? Die Horster protestieren, keiner von ihnen will den Ball mit der Hand berührt haben. Da meldet sich Werner Tönges, er habe im Eifer des Gefechts den Ball mit der Hand berührt. Eine wahrhaft sportliche Geste in einem Moment, da es um mehr ging als Sieg oder Niederlage. Es ging um den zweiten Tabellenplatz, um die Qualifikation zur Aufstiegsrunde. Während es zwischen Fortuna und Herne bei dem Unentschieden blieb, siegte der WSV doch noch mit einem 1:0 und stand damit in der Qualifikation zur Aufstiegsrunde. Mit entsprechenden Vorschußlorbeeren wurden die Wuppertaler in das Treffen gegen den FK Pirmasens geschickt und sie verlieren das Heimspiel mit 0:2 und das Rückspiel mit 2:1. Und damit war der Traum Erste Liga ausgeträumt und der triste Regionalliga-Alltag blieb dem Wuppertaler Publikum erhalten.


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