Saison 1964-1965
Trainer: Robert Gebhard  
  Die Tabelle  Zum Menü


 

Die Saison:

Sie waren keineswegs die sicheren Favoriten dieser Saison. Chancen wurden allenfalls Bundesligaabsteiger Preußen Münster, den in der Aufstiegsrunde geschlagenen Teams aus Aachen und Wuppertal, sogar den mit Roggensack, Erich, Walenciak, Kohn und Kirchner stürmenden Bielefeldern eingeräumt.
Doch schon nach ein paar Spieltagen schwärmt alles in und um die Regionalliga West, die um zwei Vereine auf 18 reduziert worden ist, von dem neuen "Wundersturm" der Gladbacher Borussen. Denn der legt los, als sei die gesamte Ligakonkurrenz nur Kanonenfutter. Laumen (22), Heynckes (19), Rupp (22), Netzer (20) und Waddey (18) scheinen alles in Grund und Boden zu spielen.
Nach 1 2 Spieltagen stehen die Schützlinge von Trainer Hennes Weisweiler nach sechs Auswärtserfolgen hintereinander mit 22:2 Punkten und 41:12 Toren unangefochten an der Tabellenspitze. Und jeder in der Westregion diskutiert nur noch über die Höhe des nächsten Kantersieges.
Erstligareif auch die Mönchengladbacher Kulisse: 23.000 im Schnitt. Ausgerechnet am 13. Spieltag aber erwischt es die damals noch so genannten schwarzen Ulanen mit 0:2 auf dem Aachener Tivoli. Die dort auftrumpfenden Alemannen bieten den Bökelberg - Buben auch in der Folgezeit Paroli.
Erst am 24. Spieltag geben Jupp Martinelli & Co. den ersten Heimpunkt ab. Ständig wechselt die Spitze zwischen den beiden Teams. Auch wenn sich Rot - Weiß Oberhausen, Fortuna Düsseldorf und Viktoria Köln zeitweise an die Führenden heranrobben, es bleibt für sie nicht mehr als die Beobachterrolle übrig. Erst am vorletzten Spieltag fällt die Entscheidung um Platz eins, als der Gladbacher Wirbelsturm mit 5:2 auch die Essener Rotweißen durcheinander wirbelt.
92 Tore stehen schließlich auf ihrer Habenseite, und
dass trotz der schon seit der letzten Saison praktizierten und heftig diskutierten Mode des "Doppelstoppers". die vom früheren Trainer der Schweizer Nationalmannschaft, Carl Rappen, erfundene Methode ( Sicherheit zuerst) wurde zunächst von Rudi Gutendorf (Riegel-Rudi) beim MSV Duisburg kopiert, bevor sie schließlich ihren lähmenden Einzug in die Regionalliga West antrat.
Wie hatte sich doch Oberhausens Präsident Peter Maaßen schon Anfang des Jahres über die Folgen dieser antrainierten Antikunst geäußert: "Wir wollten schön spielen und unserem Publikum etwas zeigen.
Wir dachten, die anderen Mannschaften hätten mitgemacht, aber dann stürmten wir nur gegen Gummiwände." Einen Riegel bekommen auch die Vordenker einer neuen zweiten Bundesliga vorgeschoben. Nachdem sich vor allem die Regionalliga-Vereine aus dem Westen und Norden vehement gegen ein neuerliches Ligaexperiment ausgesprochen hatten (Westtenor: "was sollen wir im Revier mit dem VfV Hildesheim?"), lehnt auch der DFB-Beirat die Unterhausvariante ab.
Außerdem müsse man, so die DFB-gewaltigen, zunächst mit der ersten Bundesliga noch Erfahrungen sammeln. Diese sind in der Folgezeit wahrlich nicht die besten, was der "Fall Hertha BSC", wo die Spitze eines riesigen Eisbergs freigeschaufelt und unerlaubte Handgeldsummen festgestellt wurden, im Frühjahr 1965 beweisen sollte.
Natürlich wird auch in der Regionalliga West an allen finanziellen Ecken und Kanten geschummelt, denn ohne illegale Transaktionen führt nun mal kein Weg in den Fußballhimmel. Öffentlich zur Kenntnis genommen wird das aber nur in Kassel. Der dortige Oberbürgermeister Dr. Branner initiiert ein Treffen von Stadtspitzen sämtlicher an der Regionalliga Süd beteiligten Kommunen.
Das Ziel dieser Tagung, den Clubs jede nur mögliche Hilfe zukommen zu lassen, bleibt im Westen unkopiert.


   Zurück zur Auswahl

RETURN