Saison 1965-1966
Trainer: Robert Gebhard / Alfred Preissler ....
  Die Tabelle  Zum Menü


 

Die Saison:  

Eigentlich hatten sich alle nur auf Schalke gefreut. Wochenlang träumten die Vereinskassierer von nie gesehenen Banknotenbergen, die Spieler von begeisternden Promi-Duellen und die kleineren Ligastädte auf mindestens zwei Jahrzehnt Schlager.
Doch dann schlittern - via Bundesligaaufstockung - die Königsblauen mit eben solch einem Auge am Abstieg vorbei. Und aus zerplatzten Träumen werden Wunschträume, gerade beim STV Horst -Emscher. Denn der traditionsreiche Revierclub soll trotz des frei gewordenen Regionalligaplatzes absteigen.
Erst nach heftigen Protesten werden die Horster doch noch hereingelassen. Für den Verband ist die Schalke-Horst-Connection ein ziemlicher Reinfall. Die Folgen bekommt er prompt zu spüren, als die Ligaclubs - einmal respektlos geworden - den Oberlehrer-Beschluss über die für 1966 geplante Klassenreduzierung auf dann 16 Vereine einmütig vom Tafeltisch wischen.
Gleichzeitig kommt die Frage nach dem Vertragsschutz der Spieler auf. Denn Schalke löst nach der unerwarteten Beförderung legal, aber unsozial seinen Bund mit dem (ohne Wissen von Trainer Langner verpflichteten) Wormser Neuankömmling Dieter Bedürftig, der sich dadurch seines Namens würdig erweist und erst durch den ebenso ausnahmsweise erlaubten Horster Späteinkauf wieder auf den Kickerrasen zurückkehren kann. Auf dem grünen Rechteck aber wird es immer stiller.
Die Zuschauerzahlen sinken, in der Bundes wie in der Regionalliga. Verantwortlich gemacht werden dafür vor allem die bei den Trainern immer noch beliebte Defensiv - Taktik und vermehrte Fernseh - Ausstrahlungen. Im Westen kommen neben den Düsseldorfer Fortunen noch Rot - Weiß Essen, Aachen und Bielefeld ganz gut über die Runden, dahinter klafft ein großes Finanzloch: Ein paar Reiche und viele Arme! Alles wie im richtigen Leben.
Schon ein dritter Platz in der Endabrechnung, und die Saison wird zu einem wirtschaftlichen Drahtseilakt ohne die Einnahmen aus der Aufstiegsrunde läuft nichts mehr.
Und das nicht nur an Rhein und Ruhr: Ernst Thumm Geschäftsführer des Süd - Zweiten(!) SSV Reutlingen prophezeit "spätestens 1970 sind die Regionalligisten am Ende!" Kommen doch mal die vielbeschworenen Zuschauermassen, ist das auch nicht jedem recht. Ein Witz, aber nach dem Essener Lokalduell zwischen Schwarz - Weiß und Rot - Weiß versucht ein Essener Ratsherr, den beiden Vereinen alle Heimspiele mit über 20.000 Zuschauern zu verbieten.
Der Grund Verkehrs und Lärmschwierigkeiten! wäre das erste im Zusammenhang mit einer "autofreien Zone" noch zu regeln gewesen, hätte Teil zwei (zumindest bei RWE) doch aberwitzige Formen annehmen müssen. Denn an der Hafenstraße gibt es nach Saisonabschluss allen Grund zum Jubeln.
Hinter der überragenden Düsseldorfer Fortuna, die insgesamt nur zwei Heimspiele ( 1:3 gegen Oberhausen, 1:2 gegen ETB) verliert und auswärts als einzige aller 85 Regionalliga-Clubs unbesiegt bleibt, kommen die Rot Weißen letztlich als Zweite ins Ziel (und nach der Aufstiegsrunde auch in die Bundesliga).
Hart bedrängt wurden die Bergeborbecker allerdings noch von Alemannia Aachen, die nach einem mäßigen Start mächtig aufholt, aber nach Punktverlusten gegen Eintracht Duisburg und Westfalia Herne letztlich schon vor dem entscheidenden Duell an der Hafenstraße (3:2 für RWE) zurückfällt.
Ohne Chance bleibt auch der in diesen Tagen vieldiskutierte "Berufsschiedsrichter". Schwarzrock Sprecher Baumgärtel verdeutlicht bei einem Lehrgang, dass der für 90 Minuten in eine konzentriert moralische Aufgabe hineingestellte Schiri nicht zum "verkappten Kapitalisten" mutieren dürfe, der dann lesen müsse, "dass er sein Geld nicht wert sei". ungeklärt lässt Baumgärtel freilich den Zusammenhang zwischen der betonten "Lust am Pfeifen" und Vorgängen wie in Karlsruhe, wo Schiri Biwersi erst durch einen Polizei - Hubschrauber freigekämpft werden muss.


   Zurück zur Auswahl

RETURN