Saison 1972 -1973
Trainer: Horst Butz  
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Die Saison:  

Vom ersten bis zum letzten Spieltag hieß der Tabellenführer FC Bayern München. Dieser Satz sagt fast schon alles aus über eine ganze Saison. Das Kraftwerk der Bundesliga stand damals uneinnehmbar an der Isar. Beckenbauer, Maier, Müller und Co. hießen die Kings in der Manege nach der gewonnenen Europameisterschaft im Sommer 1972. Der Rest der Liga musste sich bei diesem Start - Ziel - Sieg der Münchner als Sparrings Partner zufrieden geben.
Elf Punkte betrug schließlich der Vorsprung zum 1 . FC Köln am Ende der Saison. Ein einsamer Rekord. 1972/73 - eine Spielzeit, die mit Superstars lebte und mit den Nachwirkungen des Bundesliga - Skandals leben
musste.
Vor ordentlichen Gerichten kämpften die gesperrten Spieler um Ansehen und Arbeitsrecht. Am 27. April drohte die Eskalation, nachdem einige gesperrte Schalker ihre Spielgenehmigung vor Gericht eingeklagt hatten. Die Folge : 3 Stunden vor Anpfiff der Begegnung Schalke gegen Köln kam der Abpfiff durch den DFB. Der sah große Image - Probleme auf sich zukommen.
Zu Recht. Die Wunderwelt des Fußballs hatte tiefe Kratzer abbekommen, was sich auch in der Entwicklung der Zuschauerzahlen widerspiegelt. Obwohl es an glänzenden Fußballern nicht mangelte, kamen im Durchschnitt ganze 16372 Besucher pro Spiel in die Stadien.
Negativrekord in der bundesdeutschen Elite Liga. Somit war die zehnte Bundesliga - Saison auch ein ziemlich trauriges Kapitel in der Geschichte des deutschen Fußballs. Nur die Bayern blieben unangefochten. Lediglich im Winter
mussten die Mannen von Meistertrainer Udo Lattek eine Krise wegstecken. Die Münchener verloren in Bremen 0:1, und plötzlich standen die Fortunen aus Düsseldorf nach Minuspunkten gleichauf.
Doch die Krise verzog sich, entpuppte sich als kleines Zwischentief auf dem Weg zur souveränen Titelverteidigung. Kein Wunder, denn .Kleines dickes Müller' bombte wieder aus allen Rohren. 36mal
schoss und köpfte, schob und schubste Gerd Müller das Leder ins gegnerische Tor. Der spätere Bayern Trainer Jupp Heynckes schaffte da als Borusse nur 28 Treffer, Pröpper (21 ) und Kostedde (19) folgen auf dem dritten und vierten Platz.
Für Gerd Müller bereits die fünfte Torjäger Kanone! allerdings: die Art und Weise, wie die Bayern Fußball spielten, war eher eine Angelegenheit für Kaltblüter. Der Ball lief wie am Schnürchen in einem weitmaschigen Netz, für bunte Stickereien war da kein Platz. Vernünftig, abgeklärt, erfolgreich, so die Devise im roten bayerischen Fußball - Himmel.
Kein Vergleich zu den hitzigen Gladbachern, die heiß und innig geliebt wurden. Die Fußball Realität der Münchner erinnerte auch an das Spiel eines Schach - Großmeisters, der mit geraden oder diagonalen Zügen möglichst schnell zum Erfolg kommen will. Eine Spielart, die geachtet und bewundert, selten aber geliebt wird.
Ein Vergleich, der einen Weltmeister wie Sepp Maier selbst Jahre später noch aus dem Gleichgewicht bringt. Maier: .Diese Vorliebe für Gladbach hat uns immer gestört. Wir waren einfach nur profihafter als die Borussen. War das denn so schlimm? Fakt ist
dass die Münchner vier Runden vor Ende der Saison, nach einem 6:0 gegen Kaiserslautern, die .Salatschüssel bereits zum dritten Mal sicher haben. Dramatischer Abstiegskampf: Rot - Weiß Oberhausen war vor dem letzten Spieltag schon längst abgeschlagen.
Arg in Bedrängnis auch der Hamburger SV im .Jahr 1' ohne den legendären Uwe Seeler. Doch der HSV überlebte, wie auch die Skandal - erschütterten Schalker. Alles schien auf Hannover 96 zuzulaufen, zumal dieser Klub im niedersächsischen Fernduell gegen Eintracht Braunschweig einen Punkt zurücklag.
Doch es kam alles ganz anders: Hannover gewann im Saisonfinale in Wuppertal, Braunschweig verlor zu Hause gegen Düsseldorf - und stieg ab. Genauso dramatisch auch das letzte Kapitel, das Pokalfinale zwischen Gladbach und Köln.
Der Hauptakteur: Günter Netzer, der lange Blonde mit dem großen Schuh. Nach einem Jahr voller Enttäuschungen, nach einer Serie von Verletzungen, hatte ihn Gladbachs Trainer Weisweiler am großen Finaltag auf der harten Ersatzbank schmoren lassen. Erst in der Verlängerung durfte der Superstar ran.
Und es wurde ein triumphaler Auftritt! Netzer machte ein Traumtor - und Mönchengladbach damit zum Pokalsieger. Besser hätte selbst Hitchcock das Drehbuch dieser Saison nicht schreiben können. Nach diesem Hit sagte Netzer ,Tschüs flog nach Madrid zu Real. Es sollte eine lange und erfolgreiche Reise werden.


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