Die Saison:
Wenn
einige seiner Kollegen recht behalten hätten, wäre Udo Lattek
nicht lange Trainer bei den Münchnern gewesen. Dem Mann fehlt
es an Erfahrung', hatten die Experten orakelt, als Lattek am 13.
März 1971 das Amt beim FC Bayern übernahm. Am 18. Mai 1974 war
Udo Lattek ungekrönter König an der Isar.
Am letzten Spieltag in Mönchengladbach brach eine wahre Gratulations
- Welle über die Bayern herein. DFB Präsident Dr. Hermann Gösmann
ehrte den bereits feststehenden Deutschen Meister und sprach den
ersten offiziellen Glückwunsch zum Europapokal -Triumph aus.
Denn keine 24 Stunden vorher hatte der FC Bayern München im Wiederholungsspiel
des Landesmeister Finales 4:0 gegen Atletico Madrid gewonnen.
Der erste Triumph eines Deutschen Vereins im Europacup der Meister
war perfekt. War's der Schampus oder die schlaflose Siegesnacht?
jedenfalls spielten die Bayern auf dem Gladbacher Bökelberg nach
der Devise.
Nur keinen Schritt zuviel'. Entsprechend gering war auch die Gegenwehr,
als Mönchengladbach zu einem wahren Sturmlauf ansetzte. Fünfmal
musste Bayern - Keeper Sepp Maier den Ball aus seinem Tornetz holen,
was ihm an diesem Freudentag aber auf gut bayerisch Wurscht"
war.
Weniger egal war's Torjäger Gerd Müller, der bis zur 45. Minute
noch alleine die Torschützenliste mit 30 Toren anführte. Doch
dann schlug der Gladbacher Jupp Heynckes zum zweitenmal in diesem
Spiel zu - und .Kleines dickes Müller' musste auf dem Torjäger
- Thron Platz machen.
Die Saison 73/74 hatte am Ende zwei Torschützenkönige. Dabei sorgte
am ersten Spieltag ein ganz anderer Spieler für Gesprächsstoff:
im Heimspiel des VFB Stuttgart gegen Schalke 04 setzte Hermann
Ohlicher den Ball dreimal in die Schalker .Maschen und avancierte
zum ersten Top Torjäger.
Doch dann kam Jupp Heynckes, übernahm die Spitzenposition und
lieferte sich mit Gerd Müller ab dem elften Spieltag ein spannendes
Kopf an Kopf Rennen. War am 34. Spieltag die Meisterschaft bereits
entschieden, die Spannung aus dem Topspiel des Tabellenzweiten
Gladbach gegen Bayern München raus: Am Tabellenende gab's Abstiegs
- Dramatik pur.
Die rote Laterne bereits fest im Griff hatte Hannover 96. Bis
zur 81. Spielminute hieß der zweite Absteiger Wuppertaler SV.
Die Schützlinge von Trainer Horst Buhtz lagen beim VFB Stuttgart
mit 1 :2 zurück. Fortuna Köln schien trotz der 0:4-Schlappe in
Offenbach durch einen Punkt Vorsprung gerettet doch neun Minuten
vor Schluss schoss Dieter Lömm ganz Wuppertal in einen Freudentaumel.
Lömms Ausgleichstreffer bescherte Wuppertal den Klassenerhalt
dank des besseren Torverhältnisses. Fortuna Köln, zum ersten und
bis heute zum letzten Mal in der höchsten deutschen Spielklasse,
musste in die neugeschaffene Zweite Liga Nord absteigen.
Für Spannung in der Saison 73/74 sorgten auch die Main - Derbys
zwischen Kickers Offenbach und Eintracht Frankfurt. Die Eintracht
hatte seit dem 5. Juni 1971 eine fast makellose Heimbilanz: in
44 Spielen im Waldstadion waren die Frankfurter nur einmal bezwungen
worden, nämlich am 24. Februar '73.
Damals gab es eine 0:3-Schlappe gegen die Offenbacher Kickers.
Ansonsten hatte die Eintracht 37 Siege und sechs Unentschieden
geschafft. Am 2. März 1974 war der Erzrivale von der anderen Seite
des Flusses erneut zu Gast. Frankfurt konnte die 2 :5-Scharte
aus der Vorrunde zwar nicht wettmachen, schaffte aber gegen den
Angstgegner immerhin ein 2:2.
Die Serie hielt auch in den folgenden fünf Heimspielen. Am Saisonende
war die Eintracht die einzige Mannschaft neben Meister Bayern
ohne Heim nieder- Lage und qualifizierte sich so für den UEFA-Cup.
Doch die Geschichte der Saison 73/74 schrieb der FC Bayern München.
Kaum ging der Freudentaumel über die dritte Deutsche Meisterschaft
und den Europacup-Sieg der Landesmeister zu Ende, da sorgten 1974
zwei weitere Ereignisse für einen rasenden Pulsschlag der Bayern
- Fans: zuerst feierte Franz Beckenbauer seinen persönlichen Hattrick,
als der Kaiser" zum drittenmal zum Fußballer des Jahres
gewählt wurde.
Und dann stieg das Top - Ereignis im Münchner 0lympia Stadion:
Deutschland wurde durch einen 2:1 Sieg gegen Holland Weltmeister.
Sechs Spieler des FC Bayern standen in der Triumph - Elf: Sepp
Maier, Paul Breitner, Franz Beckenbauer, Georg Katsche"
Schwarzenbeck, Uli Hoeneß und Gerd Müller.